Als Erzbischof Lefebvre vier Priester ohne päpstliches Mandat zu Bischöfen weihte, war die Zahl vier nicht willkürlich gewählt. Zu einer rubrikengemäßen Bischofsweihe sind drei Bischöfe vonnöten. Ein Prinzipalkonsekrator und zwei Co-Konsekratoren. Fiele einer der vier geweihten Bischöfe nach Erzbischof Lefebvres Tod aus, so wäre die nötige Zahl zu einer ordnungsgemäße Weihe vorhanden.
Ein Grund für die gescheiterte Einigung im Vorfeld der unerlaubten Bischofsweihen war wohl die Angst Erzbischof Lefebvres und seiner Anhänger bei einem Verbleib in der kirchlichen Disziplin am ausgestreckten Arm ausgehungert zu werden. Liest man die Rhetorik der Kirchenoffiziellen in Deutschland zur Piusbruderschaft und betrachtet man das Verhalten landauf und landab gegenüber den sog. Ecclesia-Dei-Gemeinschaften und bi-usuellen Gemeinschaften, ist die Befürchtung durchaus nachvollziehbar in meinen Augen. Betrachtet man die freundliche Aufnahme der Petrusbruderschaft, die sich gründete, weil man denn schismaförderlichen Schritt der Bischofsweihe ohne Mandat nicht mittragen wollte, im Bistum Augsburg unter Bischof Stimpfle und das jähe Umschlagen des Klimas unter dem Nachfolger Bischof Dammertz oder die Beheimatung der SJM im Bistum Augsburg bis zur Vertreibung durch Bischof Dammertz, so hat man einen guten Einblick in die innerkirchliche Feindseligkeit, die jeglichem nicht-modernistischen Verbund in der deutschen katholischen Kirche entgegenwehte und weht. Dummerweise scheinen die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften auch ohne die Gießkanne der Kirchensteuermittel aufgrund ihrer Charismen und ihrer Glaubwürdigkeit der Verkündigung bessere Erfolge in der Neu-Evangelisierung aufzuweisen, als das etablierte, kirchensteuergefütterte Traditionsabbruchkommando.
Unter einem Papst Benedikt, der als Kardinal schon die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften förderte, steht nun zum Graus so mancher deutscher Kirchengranden und Ordinariats-Chefsessel-Befugter eine Wiedereingliederung der Piusbruderschaft im Bereich der Möglichkeit. Für das deutsche Kirchenestablishment würde damit die Lieblingsbeleidigung über die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften wertlos, denn man kann dann die Petrusbruderschaft und andere nicht mehr mit Hinweis auf die Piusbruderschaft als schisma-verdächtig titulieren. Das Williamson-Interview dürfte daher bei Bekanntwerden für orgasmus-ähnliche Zustände in manchen Ordinariaten und Theologischen Fakultäten gesorgt haben, weil man nun die Antisemitismuskeule unreflektiert über all jene schwingen konnte, die sich der Heterodoxie und –praxie verweigerten.
Doch nun mehren sich die Anzeichen, daß Bischof Williamson seine persönliche Agenda weiter vorantreibt und die Piusbruderschaft zu einer Entscheidung zwingt, ob man sich zu einem sektiererischen Konglomerat aus Sedisvakantisten und Gnosis-Simili entwickelt, die von sich behaupten, sie besäßen als einzige die Fähigkeit den überlieferten Glaubenschatz zu bewahren und weiter zu überliefern, oder man einigt sich mit Rom auf eine kanonische Ordnung der Piusbruderschaft und stellt sich ernsthaften theologischen Diskussionen mit Theologen, die nicht dem modernistischen Ideal anhängen, und ist bereit auch mögliche theologische Fehlhaltungen der Piusbruderschaft zu überdenken und im Einklang mit der Tradition der Kirche dem päpstlichen Lehrprimat zu unterwerfen.
Für die Bischöfe und andere Größen der Piusbruderschaft wird sich die Frage stellen, welche Rolle sie noch in einer wieder in die kirchliche Ordnung eingegliederte Piusbruderschaft spielen werden auf lange Sicht. Wer sich während der Gespräche in Rom in ständiger Abgrenzungsrhetorik geübt hat, dürfte wohl kaum Kandidat für zukünftige Leitungspositionen sein.
Wenn Bischof Williamson die Piusbruderschaft tatsächlich zu einem Bruchpunkt treibt, und er hinausgeworfen wird, oder sich mit seinem Klientel abspaltet, so stünde die Piusbruderschaft vor dem Problem, einen bischöflichen Nachfolger zu kreieren, damit der oben beschriebene Quartett-Mechanismus intakt bleibt. Eine weitere mandatslose Bischofsweihe würde aber nicht nur die Tatstrafe der Exkommunikation erneut ins Spiel bringen sondern wäre auch eine Generaltorpedierung der Einigungsbemühungen mit Rom.
Letztendlich würde solch ein Bruch die Piusbruderschaft dazu treiben, sich kurzfristig zu entscheiden, ob sie eine Einigung mit Rom überhaupt wollen oder nicht. Eine weitere Begnadigung dürfte von Seiten Roms außer Frage stehen, da eine weitere mandatslose Bischofsweihe als Beleg für den mangelnden Willen sich in die kirchliche Ordnung einzufügen betrachtet werden müßte.
Das einzige noch weitere Entgegenkommen von Seiten Roms wäre in meinen Augen eine Bischofsweihe eines Kandidaten aus einer Ecclesia-Dei-Gemeinschaft, in denen es sicher einen geeigneten Kandidaten geben dürfte, um zu dokumentieren, daß man diese Gemeinschaften als vollwertige und wertvolle Teile der Kirche anerkennt, auch wenn ein solcher Schritt die Schlaganfallgefahr in gewissen Zirkeln steigern könnte. Die Hand des Papstes ist in Richtung Piusbruderschaft deutlich genug ausgestreckt, wenn die Piusbruderschaft ihr Blatt überreizen will, läuft sie Gefahr, daß jemand „das Blatt sehen will“ und sie sich selbst die Türe zur katholischen Kirche zuwerfen. Wenn die Piusbruderschaft etwas in der Kirche bewegen will, so kann sie dies nur innerhalb der Kirche tun unter Aufgabe der einen oder anderen Eitelkeit, die sie sich angeeignet haben, denn genausowenig wie Rom mit jedem deutschen Bistum solche doktrinellen Gespräche führen wird, wird Rom sie auf Dauer und Ewigkeit mit der Piusbruderschaft führen und ihr damit einen permanenten Sonderstatus einräumen. Es gibt genügend Wege innerhalb der katholischen Ordnung in der die Piusbruderschaft ihr Anliegen fördern kann, wenn sie sich diesen Wegen stellt.
Mein Gebet gilt Papst Benedikt, und jenen für die Breite Öffentlichkeit namenlosen Arbeitern im Weinberg, die in der Zwickmühle zwischen Modernisten und der Piusbruderschaft, eine echte Rezeption des letzten Konzils in seiner eigentlichen Bedeutung vorantreiben.
7 Kommentare:
Mir will die Errichtung eines persoenlichen Ordinariats, aehnlich dem fuer die Anglikaner, als eine geeignete Loesung fuer die Piusbruderschaft erscheinen.
P.S.: Las ich doch tatsaechlich Ordinariats-Chefsessel-Befurzer. I'm so sorry. ;-)
Wenn ich mir die "Erfolgsberichte" die eher "Erfolgsbeichten" sein sollten von den Verantwortlichen für Sakralbauten anschaue, dann ist das "Sessel-Befurzen" noch eine lobenswerte und noble Tätigkeit, bedenkt man die Folgen, wenn sie sich ihrer eigentlichen Arbeit zuwenden würden.
@Marcus
Frage: habe ich etwas verpasst/uebersehen qua Pause mit bloggen? Diverse Kommentare von Dir sind ja immerhin noch zu lesen.
Vielleicht eine impertinente Frage von mir, da ich mich selbst ja nur aufs Kommentieren beschraenke.
Gesegnete Weihnacht und ein gesundes Jahr 2012 Dir, Deinen Lesern und Mitbloggern.
@tradi.nl
Mein längeres Schweigen hat zwei Ursachen, zum einen die Art meines Bloggens. Ich gebe zu, ich bin ein Frustblogger, ich muß mich über ein Thema genug aufregen um meine Schreibfaulheit zu überwinden, andererseits halte ich mich eine Weile zurück, um nicht reinem Verbalzelotismus die Bahn zu überlassen. Dann habe ich gewisse perfektionistische Ansprüche an meine Beiträge, die zu diesem späten Zeitpunkt aber nicht eine schlechtere Doublette eines Mitbloggers sein sollten. Ehe ich michs versehe, hab ich dann plötzlich 3-4 Stunden in einen Beitrag investiert. Der andere Grund liegt in meiner etwas angeschlagenen Gesundheit, daß ich nicht immer die Kraft für diese Anstrengung aufbringe, die Frage ist, wann dies zutrifft, und wann ich meiner Faulheit mit dieser Ausrede zu kampflos das Feld überlasse.
Danke fuer Deine ausfuehrliche Antwort. Ich schaue oft bei Dir vorbei, da ich Deine wohlformulierten Beitraege sehr schaetze. Wie Du sicher gemerkt hast, beschraenken sich meine Kommentare auf diversen blogs oftmals auf "kwinkslagen", da ich der Meinung bin, dass in unserer Kirche auch der Scherz und das Lachen einen Platz haben.
Dieser Meinung bin ich auch, das Lachen hat seinen Platz. Der ehrwürdige Jorge aus "Der Name der Rose" ist für mich daher der Archetypus eines Modernisten ;-)
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