Warnung: Dieser Beitrag enthält ungefiltert Auszüge von Zulehner, sollten Sie vorbelastet sein, so konsultieren Sie vorher Ihren Arzt oder Beichtvater.
Das ? kennzeichnet den Journalisten von glaubenslust.de auf liborius.de.
Das ! steht für Prof. em. Paul Zulehner, ehemaliger Professor für Pastoraltheologie, vom scheidenden Nuntius für Österreich Erzbischof Mario Cagna im Jahr 1984 als „irregeleitet und rebellisch“ beschriebener Herausgeber von Umfragen zweifelhafter Neutralität und deren Auswertung. Der Quatsch mit dem ? und dem ! ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern im Original zu finden.
?: Man spricht immer davon, dass diese Piusbruderschaft„ultra-traditionalistisch“ ist. Was bedeutet das genau?!: Natürlich einmal die Ablehnung des Zweiten VatikanischenKonzils und anderer Reformen. Auf eines allerdings will ich aufmerksam machen:Bei der Piusbruderschaft ist ein aus der Forschung bekanntes Phänomen zubeobachten. Wenn sich jemand so sehr auf den rechts-außen Flügel begibt, dannliegt eine Persönlichkeitsstruktur vor, die wir heute die „Unfähigkeit zurVielfalt“ oder „Pluralitätsinkompetenz“ nennen. ?: Was heißt das genau?!: Solche Menschen tolerieren nur sich und keine anderen.Eine Wortanalyse dieser Leute könnte das Gleiche ergeben, was auch bei einerWortanalyse totalitär-faschistischer Systeme herauskommen würde. Das, was dieserechten Flügel propagieren, ist hoch autoritär. Das ist gewaltförmig bis tiefin die Sprache hinein.Wer dagegen einen reifen Glauben hat, wird dagegen immer einFreund der Vielfalt sein und sagen: Die anderen haben immer auch etwas, was mirfehlt. Das ist ein Satz, den Sie von der Piusbruderschaft nie hören werden. Dieist so schwach und in ihrer Erstarrung so verunsichert, dass ihnen alles wieeine Bedrohung erscheint, was anders ist. Ihre Reaktion darauf: vernichten.Deshalb bin ich überzeugt: Wenn man der Piusbruderschaft heute die staatlicheGewalt geben würde, würden die Scheiterhaufen wieder brennen.
Nun, ich kenne aus meiner Erfahrung das Phänomen der „Unfähigkeit zur Akzeptanz gegenteiliger Meinungen“ bei Personen im links-außen Flügel, deren Pluralitätsinkompetenz sich darin äußert, daß sie andere als ihre Meinungen als pathologisch betrachten. Da sie nach eigener Einschätzung aufgrund überlegener Geisteskompetenz die optimale Lösung gefunden zu haben meinen, so kann eine gegenteilige Meinung nur aus pathologischer Dummheit, also der Unfähigkeit zur Erkenntnis der Überlegenheit der Gegenseite, oder aus dem pathologisch Bösen entstehen. Nicht von ungefähr hat bisher jedes kommunistische Regime konterrevolutionäres Gedankengut als Geisteskrankheit identifiziert.
Eine Wortanalyse der Propaganda sozialistischer und kommunistischer Gesinnungen zu faschistisch und nationalsozialistischer Gesinnungen würde ergeben, daß hier eine Geistesverwandtschaft besteht, die sich nur durch die Divergenz weniger Schlüsselbegriffe ergibt, die sich gegenseitig ausschließend verwendet werden, wie z.B. Rasse und Klasse oder Nation und Moskau als Vorreiter des internationalen Proletariats.
Würden die Regimeschergen nicht unterschiedliche Titel tragen, wäre es nicht auf Anhieb unterscheidbar, ob man gerade den Bericht einer Verhaftung eines katholischen Priesters durch die Nazis liest oder durch das sowjetische Regime.
?: Sie meinen also, dass Benedikt XVI. das Konzil wenigschätzt und es lieber ungeschehen machen will?!: Ich selber würde nie auf solch eine Idee kommen. Aberangesichts der besagten Rede und angesichts der Signale der letzten Zeit...(Überlegt) Ich meine die Annäherung an die Piusbruderschaft oder auch dieÄnderungen bezüglich der Liturgie. Das alles sind Signale, bei denen man denPapst als Theologe besorgt fragen will: „Heiliger Vater, wie sehr ist dasZweite Vatikanische Konzil für dich ein geistgewirkter Aufbruch in die moderneZeit? Oder gehörst du auch zu denen, die sagen: Das Beste für das Konzil wäre,wenn es umsonst gewesen sein sollte.“ Noch einmal Joseph Ratzinger 1975: „Werheute nach zehn Jahren auf das Zweite Vatikanische Konzil zurückschaut, wirdkaum noch auf den Gedanken kommen, darin ein Neues Pfingsten zu sehen.“
Man beachte die rhetorische Figur am Anfang des Absatzes „Ich selber würde nie auf solch eine Idee kommen.“ Klammer auf: Danke für das Stichwort! Klammer zu! Liest man die Berichte, zu welchen Verwüstungen ad experimentum es durch autokephalistisch gewährte Erlaubnis zur Änderung der Liturgie entgegen SC 22 §3 kam, die durch die völlig einseitige Rahnersche/Vorgrimlersche Konzilsrezeption befeuert wurde, dann ist es nur verständlich, das Ereignis kritisch zu sehen. Ich bin der Meinung, daß Zweite Vatikanische Konzil hat einige gute Dinge hervorgebracht, allerdings wurde es in der Rezeption gekapert, und einer breiten Öffentlichkeit verfälscht vermittelt. Warum stolpert eine WiSiKi-Bewegung ob ihrer Forderung an die Piusbruderschaft über die „vollständige Anerkennung des Konzils“? Ganz einfach aus dem Grund, weil diese Bewegung etliche Konzilsaussagen, die tatsächlich in den offiziellen Dokumenten stehen, partout nicht anerkennen will, weil die eigenen Forderungen dazu in unauflöslichem Widerspruch stehen. Wozu gibt es das Hilfskonstrukt des Konzilsgeistes, wenn es nicht nötig wäre für jene, mit den Konzilstexten unvereinbare Dinge in den Rang eines Superdogmas zu erheben? Nicht nur Papst Benedikt sondern auch Dietrich von Hildebrand und andere haben die ekklesiologischen Verwüstungen vorhergesehen. Soweit mir bekannt hat selbst eine treibende Kraft wie P. Josef Andreas Jungmann SJ der liturgischen Bewegung sich abgewendet, als er erkannte, in welche Richtung die „Reform“ getrieben wurde.
?: Ein Modell, das Schule machen sollte...!: Absolut. Ich würde mir wünschen, dass immer wiederBischöfe zum Papst fahren und sagen: „Heiliger Vater, ist es wirklich klug,dass wir Gemeinden aufgeben, nur wegen der Ehelosigkeit der Priester? Ist eswirklich gut, dass wir deshalb auch die Eucharistie ausdünnen?“ Wenn immer mehrBischöfe diese Courage hätten und das Prinzip der Kollegialität erneuern undzusammen auftreten würden, dann könnte man die administrative Schwäche desVatikans nutzen, um durch neue Formen der Kommunikation Entscheidungen in dierichtige Richtung zu bewegen. ?: Das alles sind Entwicklungen, die einen nicht besonderszuversichtlich stimmen. Gibt es denn Tendenzen, die man positiv sehen kann?!: Nehmen Sie das Beispiel meiner Heimat Österreich und dieAffäre um den Fast-Weihbischof Wagner: Das hat mich sehr ermutigt. Einmal weilsich der Protest sehr schnell und spontan gebildet hat. Und zum anderen hatsich gezeigt, dass das Kirchenvolk nicht am Flügel lebt, sondern in der offenenMitte. Es haben sich die unterschiedlichsten Gruppen in einer sehrunaufgeregten Klarheit organisiert und ihren Protest kundgegeben. DasKirchenvolk hat sich erhoben und gesagt: Wir lassen diesen Putsch von rechtsnicht zu.
Die „Schwäche“ des Vatikan ausnutzen um „durch neue Formen der Kommunikation Entscheidungen in die richtige Richtung zu bewegen“ und „Das Kirchenvolk hat sich erhoben und gesagt: Wir lassen diesen Putsch von rechts nicht zu“. Als Mittel der Kommunikation die levée en masse und den praktizierten Ungehorsam, da die kirchlichen Disziplinierungsmittel jahrzehntelang durch Nichtgebrauch stumpfgeschliffen und selbst von Kardinälen schlechtgeredet wurde. Papst Benedikt und Prof. em. Georg May haben den Zusammenbruch der Kirchendisziplin im Nachbeben des Konzils deutlich herausgestellt. Die spätestens seit der Reaktion der Bischöfe auf Humanae vitae und deren ungehorsame Königsteiner und Marientroster Erklärung zementierte „Ich sch*.... auf was aus Rom an Papier kommt“-Haltung führte zu einer absurden Mentalität unter den Priestern und Theologen, die sich für „mutige“ Konfrontation mit Rom verbale Ehrenzeichen anhefteten, obwohl sie einem echten Schlachtfeld nicht auf 100 km nahegekommen sind. Die wenigen Zensuren und Lehrverurteilungen aus dem Ozean der häretischen Publikationen werden umso lauter bejault und beklagt. Perfide auch die von Zulehner behauptete Abwehr des „Putschs von rechts“. Wenn jemand gegen die gültige Ordnung geputscht hat im Falle des verhinderten Weihbischofs Wagner, dann sicher nicht die Rechte! Kardinal Brandmüller kann sicher jede Menge historische Beispiele nennen, in denen Bischöfe vom Sprengel abgelehnt wurden, die überwältigende Mehrheit dürfte sich mit „er ließ seine Schafe nicht in Ruhe in der Sünde suhlen, sondern predigte Umkehr“ überschreiben lassen. Die Verhältnisse in der Diözese Linz stinken weit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus, auch wenn ein Zulehner darin möglicherweise die Vorstufe zur perfekten priesterlosen Religion sieht. Vielleicht erblickt Zulehner in Christine Mayr-Lumetzberger die ideale Nachfolgerin für Bischof Schwarz, die dann problemlos das letzte bißchen Zerstörung anrichten kann, das seit Bischof Aichern noch nicht vollbracht wurde am Leib Christi.
?: Umso mehr: Warum handelt die Kirche nicht?!: Generell sind solche rechtsorientierten Kreise für einenDiözesanbischof schwer zu kontrollieren. Dialog ist mit ihnen kaum möglich.Denn entweder ist ein Bischof von ihrer Art, dann sieht er wenig Grund was zusagen. Ist er nicht von ihrer Art, dann ist er ein Feind dieser Gruppe und wirdin Rom denunziert. ?: Was man bei dieser Affäre offensichtlich gesehen hat.!: Der frühere Bischof von Linz, Maximilian Aichern, zumBeispiel konnte mit diesem Dissidentenkreis kaum kommunizieren. Die Mitgliederdes Kreises haben durch permanente Anzeigen in Rom dazu beigetragen, dass erzurück in sein Kloster ging. Das war ein Teilsieg dieser rechten Gruppe. Nicht geglückt ist dann, Herrn Wagner zumNachfolger und neuen Bischof von Linz zu machen. Er war schon auf der Liste,doch der Vatikan wusste, dass Wagner zu sehr polarisieren würde. Das war einekurze Zwischenniederlage. Doch darauf folgte der dritte Schritt, wobei manerreichte, dass der Vatikan entgegen aller Gepflogenheiten Wagner zumWeihbischof ernannte.
Soso, Dissidenten sind nicht die, die sich gegen das rechtmäßige Lehramt und die Leitungsvollmacht des Papstes stellen, sondern diejenigen, die in der Teilkirche sich nicht völlig von der Weltkirche abkoppeln wollen? Schuld an einem Vergehen ist nicht der, der es begeht und der, der es nicht ahndet, sondern der, der es trotz der Ignoranz des Vergehens vor Ort für dessen gerechte Bestrafung sorgt? Interessante Sichtweise! Ein Bischof, der seinen kanonischen Pflichten nachkommt ist also ein Unding, gegen das man sich mit allen Mitteln wehren muß? Ich hoffe über die Connection von Bundespräsident Fischer zu Nordkorea sind keine Berater aus dem Atomprogramm in Linz unterwegs wie im Iran, sonst muß man wohl in ein paar Jahren bei Bischofsweihen wie der von Bischof Ägidius Johann Zsifkovics mit dem Einsatz atomarer Sprengsätze rechnen. Wie man in den Fällen Wagner und Skoblicki sieht, heiligt der Zweck alle Mittel, die nötig sind.
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